Drucktechnik im Umbruch

July 31, 2006

Noch vor einigen Jahren sorgten sich die Drucker um ihre Arbeitsplätze: Wird der Markt für Druckerzeugnisse der fortschreitenden Digitalisierung zum Opfer fallen? Doch längst hat sich herausgestellt, dass Computer gedruckte Informationen keineswegs überflüssig machen. Dennoch hat die technische Entwicklung das Druckerhandwerk grundlegend verändert. "Der Digitaldruck hat dem Siebdruck Aufträge weggenommen", konstatiert Peter Bachmann, Chef der traditionell auf Siebdruck spezialisierten Bachmann GmbH in Schloss Holte-Stukenbrock bei Gütersloh. Digital lässt sich direkt aus der Datei drucken, ohne dass Vorkosten für eine Druckform anfallen. Vor allem kleine Auflagen oder Einzeldrucke sind im Digitaldruck schnell verfügbar und im Kostenvergleich den klassischen Verfahren haushoch überlegen. Deshalb hat auch Bachmann eine Digitaldruckmaschine angeschafft, um das eigene Angebotsspektrum zu erweitern - allerdings erst, nachdem das neue Verfahren mit UV-härtenden Tinten zur Verfügung stand. Inkjetdruck mit UV-Farben ist eine relativ junge Technologie. Sie funktioniert im Prinzip ähnlich wie normaler Tintendruck. Das Bedruckmaterial wird unter den seitlich hin und her bewegten Druckköpfen durchgeführt, die Tintendüsen spritzen die Tinte nach dem üblichen Inkjet-Verfahren auf. Basis sind die neuen UV-Inkjetfarben, die deutlich verbesserte Hafteigenschaften im Vergleich zu lösungsmittelbasierten Farben aufweisen. UV-Farben trocknen nur unter dem Einfluss von konzentriertem UV-Licht. Sobald die gedruckte Farbe mit UV-Licht belichtet wird, erfolgt die Härtungsreaktion innerhalb von Sekundenbruchteilen. Die schnelle Aushärtung bringt Vorteile in zweierlei Hinsicht: Die bedruckten Objekte sind sofort gegen Verschmieren geschützt und können umgehend weiterverarbeitet werden. Außerdem dringt die Tinte nicht - wie beim einfachen Trocknungsvorgang üblich - in den Bedruckstoff ein. Das ermöglicht den Druck auf geschlossenen Oberflächen wie Glas oder Aluminium und steigert zugleich die Brillanz der Farben auf saugfähigen Materialien wie etwa Stoffen. Durch den direkten Druck auf feste Materialien entfällt der bisher notwendige, zeitaufwändige Umweg über Transfer-Folien, die bisher nach dem Druck manuell auf den Träger aufgebracht werden mussten. Vor drei Jahren ist Weger-Druck in Hückeswagen im Bergischen Land mit der europaweit ersten Druckmaschine von Vutek (Meredith/New Hampshire, USA) in die neue UV-Drucktechnik eingestiegen. Mit der Vutek-Press könne man neben flexiblen Materialien von der Rolle wie Papier oder PVC- Folie auch feste Träger wie Acrylglas, Hartschaum oder Alu-Dibond bedrucken, schwärmt Produktionsleiter Tim Bangert. Bis zu einer Dicke von 4,5 Zentimetern und einer Breite von zwei Metern bearbeiten die 16 Druckköpfe der Vutek-Press VU fast alle rechteckigen Träger, bei Bedarf sogar exakt bis an den Rand. Die Maschine druckt je nach Ausstattung mit bis zu 600 dpi. "Mit der JetPrint der Firma Lüscher ist der Weg zum Siebdruck sogar noch in Stück kürzer geworden", sagt Bangert. Denn mit einem feststehenden Vakuumtisch und einem Durchsatz von bis zu 60 Quadratmetern pro Stunde seien auch größere Auflagen, die sich im Siebdruck noch nicht lohnen, realisierbar. Die Druckgeschwindigkeit stellt allerdings noch immer einen der wesentlichen Schwachpunkte im Vergleich zu herkömmlichen Druckverfahren dar. Denn bei größeren Auflagen kommt der UV-Digitaldruck längst nicht an die Kapazitäten des Siebdrucks heran. Bei Weger ist man daher auch überzeugt, dass der Digitaldruck den Siebdruck keineswegs völlig verdrängen wird. Im Gegenteil: Durch die intelligente Kombination von digitalem Großformat-Druck mit dem bewährten Siebdruck lassen sich auch vollkommen neue Lösungen entwickeln, die bisher nur schwer zu realisieren waren. Displays für die einzelnen Märkte einer Handelskette werden beispielsweise in großer Stückzahl im traditionellen Siebdruck gedruckt, dazu gehörende personalisierte Kleinauflagen dann ergänzend im Digitaldruck produziert. Um derartige Synergien nutzen zu können, hat Weger-Druck auch in dieser Richtung investiert und die Tiedtmann Siebdruck in Viersen übernommen. Der Siebdruck verfügt noch immer über eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen gegenüber dem Digitaldruck, darunter der Druck von Metallic- und fluoreszierenden Farben sowie hochglänzende oder matte Überdrucklacke, erklärt Friedrich Goldner, Produktmanager bei den Marabu-Werken, Ludwigsburg. Hinzu kommen besonders gute Haftungs- und Beständigkeitseigenschaften auf schwierig zu bedruckenden Substraten, ein hohes Deckvermögen besonders auf dunklen Untergründen und eine hohe Schichtstärke für 3D-Effekte. Marabu-Manager Goldner: "In den letzten Jahren gab es auch im Siebdruck deutliche Verbesserungen: den verstärkten Einsatz von Computer-to-Screen-Anlagen und Siebdruck-Mehrfarbenlinien mit deutlich reduzierten Rüstzeiten." So kann auch Peter Bachmann im Siebdruck weiterhin expandieren. Bachmann: "Wir registrieren im Siebdruck eine wachsende Nachfrage. Daher haben wir gerade im vergangenen Jahr die größte Vierfarb-Druckmaschine der Welt angeschafft und können mit ihr nun auch Großflächen von drei mal zwei Metern bedrucken." Eine weitere Vierfarb-Siebdruckmaschine wird bei Bachmann-Druck gerade neu in Betrieb genommen. Bachmann: "Mit beiden Maschinen zusammen können wir einen Durchsatz bis zu 5000 Quadratmetern pro Stunde erreichen. Bis der Digitaldruck diese Kapazität erreicht, müsste sich noch viel tun." Letztendlich gibt es keine Alternative. Wer in der Branche bestehen will, muss heute beide Verfahren vorhalten. Denn die Entscheidung, welche Drucktechnik das am besten geeignete Verfahren darstellt, bleibt je nach Objekt und Auflagenhöhe immer auch eine Kostenfrage. Wenngleich UV-Farben deutlich teurer sind als lösungsmittelbasierte Farben, so bestechen die UV-Tinten doch im Handling und in der Weiterverarbeitung. Denn während beim normalen Tintenstrahldruck lediglich auf den sehr kostspieligen Glossy-Papieren eine vernünftige Farbwirkung zu erzielen ist, kann der UV-Druck auch auf Naturpapieren Qualität und Brillanz produzieren. So lassen sich Kosten beim Material einsparen. Zudem sind die UV-Tinten deutlich witterungsbeständiger als vergleichbare Drucke. Durch die Bestrahlung mit Sonnenlicht härten die Farben eher noch besser aus, sie bleichen längst nicht so schnell aus wie andere Farben. Branchenkenner rechnen daher damit, dass die UV-Anwendungen ihren Marktanteil weiter ausbauen werden. Denn die Vorteile der UV-Farben greifen ebenso beim Sieboder Tampondruck. Letztlich bleibt es wohl auch nur noch eine Frage der Zeit, bis erste Systeme, die Siebdruck und Digitaldruck in einer Anlage mit ihren jeweiligen Stärken kombinieren, ausgereift sind. Das wird den Markt nochmals verändern. Wolfgang Seemann unternehmen@wuv.de KONFLIKTE FRIEDLICH LÖSEN Die Beziehung zwischen Druckerei und Kunden muss nicht im Streit enden Um Streitigkeiten zwischen Druckunternehmen und deren Kunden effektiv und kostengünstig beilegen zu können, bietet der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) eine "Mediation Druck und Medien" an. Die in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement gwmk, München, beim bvdm in Wiesbaden eingerichtete Mediationsstelle "Druck und Medien" ist die erste Brancheneinrichtung ihrer Art. Mediation (engl: Vermittlung) ist eine in den USA entwickelte Form außergerichtlicher Konfliktlösung, bei der ein neutraler Dritter (Mediator) gemeinsam mit den Konfliktparteien eine einvernehmliche Lösung erarbeitet. Anders als bei streitigen Verfahren vor Gericht werden die Parteien bei der Mediation nicht der Entscheidung eines Richters oder Schiedsmanns unterworfen.


Die Kontrahenten führen vielmehr eine gemeinsam erarbeitete Lösung herbei, die beiden Seiten Vorteile bringt und keinen zum Verlierer abstempelt. Reiner Ponschab, Rechtsanwalt, Wirtschaftsmediator und Vorstandsvorsitzender der gwmk, sieht den wesentlichen Unterschied zwischen Mediation und Gerichtsverfahren darin, dass es bei der Mediation nicht darauf ankommt zu siegen. Ponschab: "Auf diese Weise entsteht eine ,win-win Situation', die maßgeblich dazu beiträgt, dass die Geschäftsbeziehung nach Beendigung des Konflikts erhalten bleibt." Gerade darin sieht auch Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien, den wesentlichen Vorteil für seine Branche: "Die über lange Jahre gewachsenen Geschäftsbeziehungen sind das größte Kapital unserer Firmen. Wenn die Kundenbeziehung durch einen Streit zerbricht, wird auch der vermeintliche Sieger zum Verlierer." Wirtschaftsmediation gilt deshalb als ein ideales Instrument, um Kundenbeziehungen auch über den Konfliktfall hinaus zu bewahren. Sie ist insofern speziell für die klein- und mittelständisch geprägte Druckbranche hilfreich, weil gerade hier gute und vertrauensvolle Kundenbeziehungen den Erfolg eines Unternehmens entscheidend beeinflussen.